Die Arbeit mit dem Dimensionsmaterial

Hier findest Du Vorschläge, wie man Material für den Montessori-Unterricht in den verschiedenen Lernbereichen leicht selbst gestalten kann.
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Corinna
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Die Arbeit mit dem Dimensionsmaterial

Beitrag von Corinna » Mo 4. Jan 2010, 17:32

am Beispiel „Rosa Turm“
nach Maria Montessori
Bevor das Kind eine Ersteinführung in das jeweilige Material erhält, kann es in einer Experimentierphase das Material kennen lernen und so mit ihm vertraut werden.
Bekundet das Kind (etwa 3 Jahre alt) Interesse an einem Material (Aufgabe der Pädagogin: Beobachtung), erfolgt die Einführung durch die Pädagogin. Diese Einführung nennt Maria Montessori „Lektion“.
Eine Lektion wird in der Regel einem einzelnen Kind gegeben. Der komplexe Vorgang wird dem Kind in kleinen, nachvollziehbaren Schritten vorgemacht. Die Bewegungen werden dabei so langsam durchgeführt, dass das Kind sie mit seinen Augen verfolgen kann. Einführungen haben meditativen Charakter, es wird nicht gesprochen. Der Pädagoge nimmt keinen Blickkontakt zum Kind auf, dies unterbricht den Bewegungsfluss.


Eine Einführung am Beispiel „Rosa Turm“:
Der Rosa Turm besteht aus zehn Kuben aus massivem rosa lackiertem Holz, die sich in drei Dimensionen verändern. Der kleinste Kubus hat eine Kantenlänge von 1 cm, der größte von 10 cm.

Gemeinsam mit dem Kind hole ich die Kuben einzeln aus dem Regal, wobei ich einen Kubus jeweils mit beiden Händen umfasse. Ein Teppich, der sich farblich abheben sollte, ist vorbereitet.
Zunächst lasse ich das Kind mit den Kuben experimentieren. Nach einer Weile frage ich: „Soll ich dir einmal zeigen, was man noch damit machen kann?“ Stimmt das Kind zu, ergänze ich: „Ich bin gespannt, ob du ruhig zusehen kannst.“
Zuerst nehme ich den größten Kubus und setze ihn auf den Teppich. Den zweitgrößten setze ich dann genau von oben auf. Ich achte auf die gezielte Bewegung beim Aufsetzen und beachte den gleichen Seitenabstand. So wird ein Kubus nach dem anderen der Größe nach zum Turm aufgebaut. Nach jedem Aufsetzen umfahre ich die Verjüngung mit beiden Händen /Fingerspitzen. Ist der Turm komplett errichtet, frage ich das Kind: „Möchtest du auch einmal probieren?“
Der Turm wird Kubus für Kubus wieder abgetragen, und das Kind wiederholt die Übung.
Fehler werden nicht korrigiert, bei späterer Gelegenheit wird dem Kind der korrekte Vorgang noch einmal gezeigt.
Eine Fehlerkontrolle ist bei einer Einführung nicht vorgesehen.

Mögliche Variationen:
  • Die Kuben werden horizontal nebeneinandergelegt.
    Die Kuben werden so aufeinandergesetzt, dass eine Ecke und zwei Seiten von jedem Kubus übereinstimmen.
    Diese Übung erfolgt ebenfalls in horizontaler Richtung.
    Die Kuben werden übereck aufeinandergesetzt.
    Die Kuben werden in anderer Reihenfolge aufeinandergesetzt (Dabei macht das Kind erste statische Erfahrungen).
    Es können Variationen mit anderem Material erfolgen (z.B. mit der Braunen Treppe).
    Die einzelnen Kuben werden auf Karten gelegt, die die jeweilige Grundfläche abbilden.
    Das Kind probiert eigene Variationen.
Die Wortlektionen:
Nachdem das Kind ausgiebig verschiedene Variationen mit dem Material durchgeführt hat, erfolgen die Wortlektionen an Hand der Drei-Stufen-Lektion.
In der 1. Stufe (Namensgebung) stellt die Pädagogin die Beziehung zwischen Gegenstand und Namen (bzw. Eigenschaft und Bezeichnung) her, indem sie auf den Gegenstand weist und dabei langsam und deutlich dessen Namen nennt: „Das ist...“
In der 2. Stufe (Wiedererkennen) handelt es sich um die Phase der Festigung. Die Pädagogin nennt den Begriff und gibt dem Kind Aufträge: “Bring, Hole, Gib...“. So übt das Kind abwechslungsreich das Zuordnen von Gegenstand und Namen.
In der 3. Stufe (Benennen) zeigt der Pädagogin den Gegenstand und fragt nach dessen Namen. „Was ist das?“ oder „Wie ist das?“. Der passive Wortschatz wird nun zum aktiven. Die 3. Stufe dient der Kontrolle.

Nach der Drei-Stufen-Lektion erfolgt ein Transfer in die Umwelt: Das Kind kann z.B. die Gegenstände nach klein und groß sortieren oder Bildkarten (eventuell auch mit Namenskarten) zuordnen (>Wortschatzerweiterung)


Lernziele des Dimensionsmaterials:
  • Schulung des mathematischen Geistes (Formen wieder erkennen und vergleichen)
    Übung der Hand-Hand-Koordination und Hand-Auge-Koordination (Grob- und Feinmotorik)
    Übungen zur Serienbildung (Seriation)
    Klassifizierung
    Indirekte Einführung in das Dezimalsystem (alle Dimensionsmaterialien bestehen aus 10 Einheiten)
    Wortschatzerweiterung

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rosa_tuermchen
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Re: Die Arbeit mit dem Dimensionsmaterial

Beitrag von rosa_tuermchen » Do 28. Apr 2011, 17:11

Das ist wirklich eine tolle Beschreibung! Ich habe neulich in der Hospitation eine solche Einführung beobachten können. Wirst Du noch weitere beschreiben?
Gruß
Rosa
Liebe Grüße

Rosa Türmchen

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Corinna
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Re: Die Arbeit mit dem Dimensionsmaterial

Beitrag von Corinna » Mi 15. Jun 2011, 19:40

Danke dir für die netten Worte - werde noch mehr schreiben... Schau bald wieder vorbei!
Bin ebenfalls dankbar für Beiträge anderer User - wer also Lust hat...
Viele Grüße, Corinna

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